Verantwortung des Verwaltungsrates

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Verantwortung des Verwaltungsrates |  was KMU aus dem Fall Raiffeisen Schweiz lernen sollten

Aufgabe und Verantwortung laut Gesetz

Eine unternehmerische Tätigkeit ist zwangsläufig mit Risiken verbunden. Als oberstes Leitungsorgan trägt der Verwaltungsrat die letzte Verantwortung.

Die persönliche Haftung des Verwaltungsrates soll insbesondere gewährleisten, dass dieser bei der Führung der Gesellschaft die von Gesetz und Statuten vorgegebenen Aufgaben erfüllt und sich dabei an die von ihm erwarteten Sorgfaltspflichten hält.

Der Verwaltungsrat hat gemäss Art. 716 OR folgende unübertragbare und unentziehbare Aufgaben:

  1. Oberleitung der Gesellschaft und die Erteilung der nötigen Weisungen;
  2. Festlegung der Organisation;
  3. Ausgestaltung des Rechnungswesens, der Finanzkontrolle sowie der Finanzplanung, sofern diese für die Führung der Gesellschaft notwendig ist;
  4. Ernennung und Abberufung der mit der Geschäftsführung und der Vertretung betrauten Personen;
  5. Oberaufsicht über die mit der Geschäftsführung betrauten Personen, namentlich im Hinblick auf die Befolgung der Gesetze, Statuten, Reglemente und Weisungen;
  6. Erstellung des Geschäftsberichtes sowie die Vorbereitung der Generalversammlung und die Ausführung ihrer Beschlüsse;
  7. Benachrichtigung des Richters im Falle der Überschuldung.

Was bedeutet das in der Praxis?

Solange alles in geregelten Bahnen verläuft, erfordert die Aufgabe des Verwaltungsrates «nur» Management-Fähigkeiten. Sobald etwas nicht nach Plan läuft, wird der Verwaltungsrat zum Verantwortungsrat.

Gerät ein Unternehmen in eine Krise, sind plötzlich ganz andere Fähigkeiten gefordert. Entscheidungen müssen meist deutlich rascher und auf der Basis von deutlich weniger Informationen gefällt werden. Hier sind nicht mehr in erster Linie Management-Fähigkeiten sondern Unsicherheitskompetenz und die Kunst der Zielgruppen-orientierten Kommunikation gefragt. Diese Art der Kommunikation ist nicht zu verwechseln mit Business-Rhetorik. Authentizität und Charisma der kommunizierenden Person sind mindestens so wichtig wie die Inhalte. Krisen-Kommunikation ist Chef-Sache!

Wir leben in einer Zeit, wo «Business as usual» eher die Ausnahme als die Regel ist. Die Komplexität von Wirtschaft und Umwelt hat stark zugenommen. Auch in den Unternehmen hat sich einiges verändert. Mit Digitalisierung, Arbeit 4.0 und der permanenten Forderung nach Innovation bei gleichzeitigem Mangel an qualifiziertem Personal sind die Anforderungen an die Führung massiv gestiegen. Neue Organisations- und Führungsmodelle fordern Eigenverantwortung, können aber gleichzeitig auch kollektive Unverantwortlichkeit fördern.

Der Ernstfall – Verantwortung in der Krise

Sehen wir uns das einmal am aktuellen Beispiel «Raiffeisen Schweiz» an:

Raiffeisen Schweiz ist derzeit mit Vorwürfen rund um den Ex-CEO Pierin Vincenz konfrontiert. Es brennt an allen Ecken und Enden. Dem Verwaltungsrat wird vorgeworfen, seine Aufsichtspflicht vernachlässigt zu haben. Die Corporate Governance hat über einen längeren Zeitraum nicht optimal funktioniert.

Vieles davon mag mit Pierin Vincenz zu tun haben – aber nicht alles. Zu verlangen, dass das «alte» (im doppelten Wort-Sinn) VR-Gremium abtreten soll, scheint legitim. Wer nun aber glaubt, dass mehr Banker, Informatiker und weniger grau das Wundermittel sind, der vergisst die Kultur von Raiffeisen. Pierin Vincenz hat das jeweils als «Stallgeruch» bezeichnet. Während 3 Jahren Strukturarbeit in hunderten von Fusionsprojekten bei Raiffeisenbanken habe ich eines festgestellt: Es geht selten um die Sache, sondern immer um die Menschen – um das Vertrauen.

In Anbetracht des Wandels im Banking braucht es m.E. im VR mehr Querdenker als Banker. Mit zunehmender Komplexität und der Verflechtung von Banking und IT-Technologie braucht es wohl eher kreativen Weitblick als Technikfreaks. Ich erinnere an die Aussage von Bill Gates: «Banking braucht es – Banken nicht!».

Ein besonderes Augenmerk verdient der Punkt «weniger grau». Heute reden alle von Digitalisierung – die Digitalisierung der Wirtschaft, der Arbeit, der Führung, der Industrie, der Gesundheit und vielleicht bald auch der Ernährung. Beinahe könnte man meinen, Digitalisierung sei ein neues Wort für Zukunft oder vielleicht sollte man eher sagen ein neues Wort für Hoffnung. Es mag durchaus sein, dass Digitalisierung die Zukunft ist. Auf keinen Fall aber ist die Zukunft (hoffentlich) nur Digitalisierung.

Um Digitalisierung zu durchdringen, muss man weder jung («U30») sein, noch kann der Grauhaarige («Ü55») nicht mitreden. Um die Auswirkungen von Digitalisierung zu erfassen und in seiner Ganzheit zu durchdringen, muss man sich mit der Entwicklung der Wirtschaft und der Menschen befassen. Hinschauen, denken, verstehen, neu denken, … und mit «neu denken» meine ich nicht reines abstrahieren der Vergangenheit auf die Zukunft. Was mit Digitalisierung gemeint ist, würde ich Unternehmens-Entwicklung nennen – und genau das ist die primäre Aufgabe des VR.

Als «Ü55» habe ich diese Entwicklung von der Lochkarte bis zu eBanking, UBER, AirBnB, KNIP, TWINT, etc. selber hautnah miterlebt. Es wäre vermessen, zu behaupten, dass ich damit für die Zukunft besser aufgestellt bin als die «U30», welche mit Apps aufgewachsen sind und ein Wandtelefon bestenfalls noch aus Fotoalben, Museen oder Bild-Datenbanken kennen. Wahrscheinlich sind «Ü55» aber auch nicht schlechter für die Zukunft gerüstet. Entscheidend scheint mir nicht das Alter und auch nicht die Ausbildung, sondern die Art des Denkens und das Interesse für permanente (persönliche und berufliche) Weiterentwicklung.

Was der Raiffeisen-VR braucht sind mehr «Gestalter» und weniger «Verwalter» – mehr Verantwortungs-Rat als Verwaltungs-Rat! Menschen, die Digitalisierung als Chance erkennen, auch wenn es unbekannt und dadurch bedrohlich wirkt. Es braucht Köpfe, die sich mit dem «Möglichen» beschäftigen und die Herausforderungen annehmen ohne jeden Hype mitzumachen. Wandel ist immer eine Chance. Gemeinsam – «U30» bis «Ü55» – sollten wir beginnen, die Zukunft aktiv zu gestalten und Bestehendes neu denken. Ja, es gibt viel zu tun. Anpacken, in Dialog treten, statt «nur» darüber reden!

Nach meinem Empfinden muss ein verantwortungsvoller Verwaltungsrat Interesse haben, Krisen schnell und ohne Rücksicht auf die eigene Person zu bereinigen. Das Unternehmen muss sich wieder ihrer eigentlichen Aufgabe und den Kunden widmen können. Es gilt, die bestmögliche Lösung zu finden um das Vertrauen von Kunden, Mitarbeitenden und Eigentümern rasch wiederherzustellen.

Was dieses Vertrauen betrifft, so muss an dieser Stelle auch einmal erwähnt werden, dass die Mitarbeitenden vor Ort jeden Tag für ihre Kunden im Einsatz stehen und mit der Krise meist nur wenig zu tun haben!

Fazit

Neue Organisations- und Führungsmodelle fordern Eigenverantwortung, können aber gleichzeitig auch kollektive Unverantwortlichkeit fördern.

Mehr Verantwortung – weniger Verwaltung. Mehr Unsicherheitskompetenz – weniger Absicherungsmanöver.

Zielgruppen-orientierte Kommunikation – Kommunikation entsteht beim Empfänger. Vertrauen (wieder) herstellen heisst ehrliche und authentische Kommunikation. Krisen-Kommunikation ist Chef-Sache – die übrige Kommunikation auch!

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Über den Autor

Markus Grubenmann   |   Ihr Coach für schlanke Büroarbeit

 

Markus Grubenmann verfügt über Erfahrung und Wissen für den Digitalen Wandel:

Experte in Organisationsmanagement mit eidg. Diplom

Systemischer Coach & Trainer

Wirtschaftsinformatiker

Strategie-Berater EKS® – Die Strategie

über 35 Jahre Erfahrung in Organisation, Administration & IT

Experte für Automatisierung & Digitalisierung

gelernter Bankkaufmann

 

Als ZeitMacher hilft er Zeit zu sparen in Büro + Verwaltung (Digitalisierung in der Administration).

Als GeldMacher unterstützt er beim Aufbau von Online-Marketing (Verkaufs-Automatisierung)

Als ProjektStarter verleiht er Ideen Flügel, indem er Schritt für Schritt von der Idee bis zum funktionierenden Business begleitet.

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